MAN OF THE WEEK.NET
THERE IS ONE BEST

»Was wäre ein Ring ohne Diamant, was wäre der Himmel ohne Sonne und was wäre ein Mensch ohne Rampenlicht?
6.000.000.000 Menschen, aber nur Einer kann es sein: der „Mensch der Woche“. Das Internet ist ihre Bühne und Millionen Menschen ihre Fangemeinde. Zeigen Sie der Welt, dass Sie ein Star sind. Denn Sie leben nur einmal!«
Durch unsere Internetseite bieten wir dem User die Möglichkeit, Mensch der Woche zu sein. Die einzige Leistung, die man für diese Ehre erbringen muss, ist der Meistbietende bei der homepage-integrierten man-of-the-week-ebay-Auktion zu sein.
DER HINTERGRUND
Über das Stadium der kostbaren Zeit sind wir hinaus, das Kostbarste heute ist unsere Aufmerksamkeit.
Durch das Ausgesetztsein massenmedialer Beeinflussung, ob gewählt, zwangsläufig,notwendig oder nebenbei, wird unsere Aufmerksamkeit permanent gereizt und gefordert, einzig durch das antrainierte Abschalten entkommt man dieser Dauerpräsenz. Die Menschen haben sich angewöhnt,ihre kostbare Aufmerksamkeit nicht mehr wahllos zu verschenken. Unsere Aufmerksamkeit zu erlangen wird zunehmend schwieriger.
Geldknappheit entsteht durch ein übermäßiges Warenangebot, dennoch wird Geld nicht universell benötigt. Es bezieht sich auf ein konkretes Tauschgeschäft. Aufmerksamkeit benötigt man dagegen für alles, es ist universell anwendbar und notwendig für alles, was man aktiv und nachhaltig erleben will. In diesem Punkt übertrifft sie das Geld. Gleichzeitig ist die Aufmerksamkeit von vornherein exakt begrenzt.
Die Grenze ist nach oben nicht offen, es ist unmöglich, hier etwas dazu zu verdienen. Aufmerksamkeit ist begrenzt vefügbar. Dieser Begrenztheit der Verfügbarkeit stehteine zunehmende Vergrößerung der Anwendungsmöglichkeiten gegenüber: wachsendes Warenangebot, Kampf der Medien und ihrer Inhalte, Aufforderung der aktiven Teilnahme am medialen Leben durch modisches Mitmachen, permanente Fortbildung und ständige Verfügbarkeit, wachsende Verstädterung, Verdichtung der Kommunikationsnetze und Globalisierung der Echtzeitkommunikation.
Eine wesentlichen Rolle in dieser Entwicklung spielt das Internet. Als digitales Massenmedium ist es das Kaufhaus der Aufmerksamkeit schlechthin. Ein unendliches Warenangebot wird es für den Einzelnen und seinem Budget an Aufmerksamkeit zum Konsumtempel.
Doch anders als bei analogen Massenmedien und analoger Kommunikation bleibt das Individuum hier nicht ausschliesslich Empfänger. Jeder, der Zugang zum Internet hat, wird gleichzeitig auch Sender. Es handelt sich also nicht um eine „one-to-many“ Einweg-Kommunikation, sondern um eine „many-to-many“interaktive Kommunikation. John Perry Barlow, Mitbegründer der amerik. Electronic Frontier Foundation, meinte dazu: „…das Ende der Sendemedien und der Beginn der Großen Kon-versation…“.
Dieser entscheidende Punkt, die Wechselseitigkeit des Mediums, beeinflusst den Umgang und das Rezeptionsverhalten enorm.
Mit der Verbreitung des Internets bietet sich dem Individuum eine unendliche Empfängergruppe und umgekehrt. Dadurch sieht sich der Einzelne ebenso einer unendlichen Konkurrenz ausgesetzt. Denn wer Aufmerksamkeit verteilt, möchte auch etwas dafür zurück: Aufmerksamkeit.
Das natürliche Verlangen, Bedeutung zu haben und Anerkennung zu erhalten, findet sich ganz neuen Möglichkeiten der Verwirklichung gegenüber: „Noch nie lockten so breite Wege zu einem größerem Publikum, noch nie standen dem Geltungsdrang so vielversprechende Karrieren offen. Noch nie durfte sich die Eitelkeit so in ihrem Element fühlen, noch nie feierte der Kult um die Attraktivität vergleichbare Feste, noch nie ließ sich der Tauschwert, den die eigene Aufmerksamkeit in den Augen der anderen hat, auf so geschäftsmäßige Weise maximieren. “Das Bedürfnis des Einzelnen nach Aufmerksamkeit wird anhand der unzähligen Mitstreiter um Bedeutung und Zuwendung erhöht. Durch die Darstellung der eigenen Person im Internet und das überlegte Verteilen der eigenen Aufmerksamkeit wird so um jedenneuenKontakt und jeden Moment Beachtung gekämpft. Diese Darstellung erfordert natürlich auch Präsenz. Und somit ist man nicht mehr nur noch durch Email erreichbar, man ist auch durch zahlreiche Chatprogramme verfügbar. Sobald man online ist, wird dies meinen gewählten Kontakten angezeigt. Und wählt man nicht aktiv die Kategorie „beschäftigt“ als Verfügbarkeitsstatus, können nun alle Kontakte auf den Nutzer zugreifen. Viele dieser Programme zeigen jedem der eigenen Kontakte die Gesamtanzahl der eigenen Kontakte an, eine neue Variante von mein-Auto-mein-Haus-Spiel.
Ausser des Erreichbarseins zeigen diese Programme automatisch an, wer online ist. Präsenz wird nicht mehr vermutet oder durch Konatkt signalisiert,sie kann ständig abgefragt werden. Und die Möglichkeit der ständigen Präsenz erzeugt automatisch auch den Druck, präsent und verfügbar zu sein. Der Darstellung des digitalen Ichs bieten sich ebenso zunehmende Möglichkeiten. Neben der eigenen Website kann man sich auf unzähligen Blogs einschreiben, man kann private Photos öffentlich verwalten oder private Videos jedem zur Verfügung stellen.
Alles zusammengefasst kann man auf myspace.com. Diese Seite hält für jeden ein Stückchen Web bereit, und das kann jeder gestalten, wie er will.
„Das Cyberspace stelle eine Bühne für das von Geschlecht, Rasse und Klasse befreite Individuum dar, das im virtuellen Raum die vollkommenen Bedingungen für seine absolute Selbstverwirklichung vorfindet.“ Was Inke Arns hier als ein Funktionsprinzip des Internets beschreibt, schlägt sich auf www.myspace.com als eigenes Profil nieder. Gemessen wird der Erfolg dieses Profils an Views und natürlich an Friends. Hier greift das ökonomische Prinzip der Aufmerksamkeit sehr gut: „add“ich dich als „friend“, „addest“ du mich als „friend“, und die Anzahl meiner „friends“ zeigt, wie viele sich für mich interessieren. Dieses Verfahren ist natürlich Zeit aufwendig, doch um des digitalen Ansehens willen lohnt es sich.
Überhaupt ist eine Unterscheidung in digital und analog auch in sozialen Dimensionen notwendig. Die Bezeichnung „Freund“ bzw. „friend“ wird auch im Netz als Kategorie benutzt, die nächsthöhere Stufe ist die Kategorie „family“. Diese sozialen Einstufungen werden im Netz allerdings zu ökonomischen statt zu sozialen Kategorien.
Die Internetseite manoftheweek.com kürzt diese Selbstdarstellung ab und bringt die Ökonomie auf den Punkt.
Das Aufmerksamkeitsziel wird deutlich benannt und muss nicht mehr durch umständliches „friends“ sammeln und Kontakte häufen erarbeitet werden.
Durch die Zahlung eines eindeutig benennbaren Geldbetrages erhält man die eindeutige Kategorie des Menschen der Woche. Diese Liste ist einsehbar und so kann der Rest der Internetnutzer sich schnell und unkompliziertinformieren, wer in der jeweiligen Woche der König der Aufmerksamkeit und Bedeutung ist. Diese Funktionalisierung verkürzt die Selbstdarstellung in enormer Weise und ermöglicht es dem Nutzer, seine Aufmerksamkeit auf andere Dinge zu verwenden, den Gemeinplatz „Mensch der Woche“ hat er dann ja für alle sichtbar besetzt und für einen Moment nach eigenen Vorstellungen individualisiert.
(1) Georg Franck: Ökonomie der Aufmerksamkeit
(2) Inke Arns: Netzkulturen

